Internetfähiges Spielzeug

Bilderbücher, Rennautos, Puppen – zunehmend verbindet sich Spielzeug über eine App mit dem Internet. Damit der Spielspaß sicher bleibt, sollten Eltern die Risiken bei vernetzten Spielgeräten kennen und Smartphone und Tablet sicher einstellen.

– Roboter + App –

Anki Cozmo

Anki Cosmo – Roboter + App

Einer der Sieger des Kinder-Software-Preises TOMMI 2017 ist der Roboter Cozsmo, der sich über die zugehörige App kinderleicht programmieren lässt. Er ist Spielkamerad, erkennt seine Umwelt und entwickelt im Laufe der Zeit sogar seinen ganz eigenen Charakter.

Zur Risikoeinschätzung

+ Die App enthält keine für Kinder ungeeigneten Inhalte. Auf Werbung oder In-App-Käufe wird komplett verzichtet.

– Der Roboter scannt Gesichter, um Kinder persönlich ansprechen zu können. Diese Daten werden laut Anbieter nur lokal gespeichert. Bezüglich seines Datensendeverhaltens ist Cozmo zwar eher unkritisch, weil die App während des Betriebs nicht mit dem Internet verbunden ist. Trotzdem: Wenn verbunden, weist die App vergleichsweise viel Datenverkehr auf, auch wenn dieser vermutlich zum Abruf von Spieldaten benötigt wird. Um das WLAN-Netz besser zu finden, greift die App zudem auf den Standort zu.

– Autorennbahn + App –

Anki Overdrive Supertrucks

Anki Overdrive Supertrucks - Autorennbahn + App

Supertrucks auf die Rennbahn gestellt und schon beginnt die wilde Fahrt. Der Aufbau der Bahn geht aufgrund magnetischer Verbindungen schnell. Über die App steuert man die Autos auf der Strecke, wobei die Bedienung nicht ganz einfach ist: Es gibt zwar Anleitungs-Level, die Autos hüpfen aber immer mal wieder von der Strecke und der Akku leert sich schnell.

Zur Risikoeinschätzung

+ Die App enthält keine für Kinder ungeeigneten Inhalte. Auf Werbung oder In-App-Käufe wird komplett verzichtet.

– In der App gibt es Anreize für Kinder, die Website des Anbieters zu besuchen und sich dort mehr Artikel zu kaufen. Zudem weist die App permanenten Datenverkehr auf – unter anderem zu amazonaws.com, Amazons eigenem Marktanalysten, an den neben allgemeinen Geräteinfos z.B. zum Gerätetyp diverse unauslesbare Datenpakete versendet werden.

– Mikroprozessor für den Einsatz in Schulen –

Calliope mini

Calliope mini – Mikroprozessor

So leicht kann Programmieren sein: Mit Calliope mini erlernen Kinder spielerisch die Grundlagen des Programmierens. Der Mikroprozessor lässt sich optimal im Klassenverband einsetzen. Wie lässt sich zum Beispiel ein bei Dunkelheit automatisch anschaltendes Fahrradrücklicht programmieren? Lehrer und Schüler bekommen jeweils ein eigenes Begleitheft mit einer Menge Zusatzinformationen in verständlicher Form.

Zur Risikoeinschätzung

+ Einfach und sicher – für das Gerät selbst ist keine Internetverbindung notwendig. Die selbstgeschriebenen Programme werden vom PC übertragen.

Hinweis: Mittlerweile ist für iOS auch eine App verfügbar. Aufgrund fehlender Komptabilität mit den Testgeräten konnte diese allerdings nicht überprüft werden.

– Malbuch + App –

Crayola Colour Alive

Das Minions Malbuch Colour Alive von Crayola

Mit den mitgelieferten Stiften ist das Malbuch leicht ausgemalt. Jetzt muss nur noch die App installiert werden. Die Kamera des mobilen Geräts scannt die Malbuchseite, sodass auf dem Display die ausgemalten Figuren „zum Leben erwachen“.

Zur Risikoeinschätzung

+ Die App enthält keine für Kinder ungeeigneten Inhalte. Im Elternbereich werden die Funktionen der App genau erklärt. Auch das Datensendeverhalten ist unkritisch: Die App weist nur geringen Datenverkehr auf – es werden keine sensiblen Daten an Dritte weitergegeben.

In der App lassen sich weitere Malbuchseiten per In-App-Kauf erwerben. Diese Funktion ist allerdings durch eine Kindersicherung (Eingabe des Geburtsdatums) vor ungewollten Käufen geschützt. Eine Datenschutzerklärung ist zwar im Elternbereich verlinkt, allerdings nur in englischer Sprache.

– Experimentierkasten + App –

Kosmos KosmoBits

KosmoBits - Gamepad + App

Ein paar Bauteile, Kabel, vier Sensoren und eine App – schon kann programmiert werden! Nach dem Zusammenbau des Gamepads lassen sich damit die Figuren innerhalb der App bewegen. Für jüngere Kinder bietet die App einen Einstieg ins Programmieren, Ältere lernen, mit der kostenlosen Arduino-Software selbst kleine Programme zu schreiben.

Zur Risikoeinschätzung

+ Eltern werden stark eingebunden. Beispielweise werden die Kinder dazu angehalten, sich bei der Installation der App von den Eltern helfen zu lassen. Die App enthält keine für Kinder ungeeigneten Inhalte, auf Werbung oder In-App-Käufe wird komplett verzichtet. Auch beim Datenschutz kann KosmoBits punkten: Bis auf eine Verbindung zu Google konnte bei Überprüfung des Datensendeverhaltens kein Datenverkehr festgestellt werden.

Für die Nutzung muss zusätzlich noch die kostenlose Arduino-Software aus dem Internet heruntergeladen werden – ein potentielles Sicherheitsrisiko. Deshalb sollten dies unbedingt die Eltern übernehmen.

– Raumschiff zum Aufbauen + App –

Lego Nexo Knights

Lego Nexo Knights - Raumschiff zum Aufbauen + App

Ist das Raumschiff der futuristischen Lego-Ritter, der Nexo Knights, erst einmal zusammengebaut, lassen sich danach Laserstrahlen (Plastikstäbe), abfeuern die auch mal ins Auge gehen können. Mit der eher unübersichtlichen App kann man die Schilde einscannen und dadurch Vorteile im Kampf innerhalb der App erwirken.

Zur Risikoeinschätzung

+ Die App enthält keine für Kinder ungeeigneten Inhalte. Auf Werbung oder In-App-Käufe wird komplett verzichtet.

Kinder werden in der App immer wieder aufgefordert, sich eine Lego-ID zuzulegen. Damit geben sie ihre Daten preis. Ungesicherte Links führen sie außerdem schnell aus der App heraus. Auch das Datensendeverhalten ist nicht unkritisch: Die App nimmt unter anderem Kontakt zu den Werbenetzwerken flurry.com und unity3d.com auf und übermittelt neben allgemeinen Geräteinformationen z.B. zu Gerätetyp und Software-Version eine Tracking-ID, durch die sich Nutzer bzw. Gerät eindeutig wiedererkennen lassen. 

– Bilderbuch + App –

LeYo!

Das Buch Mein Lieblings-Gruselbuch aus der Reihe LeYo! von Carlsen

Zusatzinformationen über die App laden, das Buch aufklappen – schon scannt die App mit der Kamera des mobilen Geräts die Buchseite und lässt auf dem Display Figuren aus dem Buch „zum Leben erwachen“. Der Erwerb eines zugehörigen LeYo!-Buches ist Voraussetzung für die Nutzung.

Zur Risikoeinschätzung

+ Die App enthält nur kindgeeignete Inhalte, kommt ohne Werbung oder In-App-Käufe aus.

Über nicht kindergesicherte Links gelangen Kinder aus der App heraus auf die Website des Entwicklers, wo sich auch ein Shop für weitere Produkte befindet. Die Update-Funktion in der „Bücherauswahl“ leitet zudem weiter in den Play Store. Die App weist in beiden Versionen (iOS und Android) nur sehr wenig Datenverkehr auf – allerdings übermittelt sie eine Tracking-ID, durch die sich Nutzer bzw. Gerät eindeutig wiedererkennen lassen, an das Werbe- und Marktforschungsunternehmen unity3d.com.

– Sprechende Puppe + App –

My friend Cayla

Cayla

Ein Smartphone oder Tablet mit Cayla-App muss beim Spielen in der Nähe sein. Eine Software analysiert jeden Sprachschnipsel und generiert mit Rückgriff auf eine Online-Datenbank passende Antworten. Die Puppe gibt diese mit synthetischer Sprache wieder.

Zur Risikoeinschätzung

Achtung! Seit Februar 2017 ist „Cayla“ auf dem deutschen Markt verboten. Sie verstößt gegen den Paragraphen 90 des Telekommunikationsgesetzes.

– iPad-Adapter + App –

Osmo: Coding Awbie

Online und offline in Kombination: Über einen Spiegel kann die Kamera die vor dem iPad abgelegten Plättchen erfassen und sie werden automatisch auf den Bildschirm projiziert, wo dann das eigentliche Spiel stattfindet. Mit der zugehörigen App werden Kinder mit Spielspaß an Programmierung herangeführt.

Zur Risikoeinschätzung

+ Das Datensendeverhalten der App ist unkritisch. Die App nimmt zwar Kontakt zu Drittanbietern auf, übermittelt aber keine sensiblen Informationen. Darüber hinaus enthält die App keine für Kinder ungeeigneten Inhalte. Auf In-App-Käufe wird komplett verzichtet.

– Ungesicherte Links können Kinder aus der App herausführen, zum Beispiel in den Store oder auf die Website des Anbieters, auf der auch ein Shop integriert ist. Eigenwerbung des Anbieters innerhalb  der App ist nicht als solche kenntlich gemacht.

– Spielzeugraumschiff mit virtuellen Welten + App –

Space Hawk

Ravensburger Space Hawk

In die Bauchluke des Spielgeräts lässt sich ein Smartphone einhängen. Auf dem Display schauen die Kinder in den Weltraum und ins Innere der Space Hawk. Durch Bewegung können sie die Umgebungen erkunden und Missionen erfüllen, z.B. Asteroiden-Stürmen ausweichen. Neue Missionen müssen offline dazugekauft werden.

Zur Risikoeinschätzung

+ Ein sehr sicheres Spielzeug: Die App verzichtet auf Werbung, In-App-Käufe oder herausführende Links und enthält keine für Kinder ungeeigneten Inhalte.

- In der iOS-Version übermittelt die App eine Tracking-ID, durch die sich Nutzer bzw. Gerät eindeutig wiedererkennen lassen, an das Werbe- und Marktanalyseunternehmen unity3d.com. Bei der Android-Version geschieht dies zwar nicht, hier wird jedoch zusätzlich Googles eigener Marktanalytiker doubleclick.net kontaktiert und mit allgemeinen Geräteinformationen z.B. zum Gerätetyp versorgt.

– Buch + App –

Tigerbooks SuperBuch: Pin Kaiser und Fip Husar

SuperBuch - Pin Kaiser und Fip Husar + App

Über die Tigerbooks-App werden Bilderbücher lebendig: Hier können Zusatzinhalte wie z.B. eine vorgelesene Fassung heruntergeladen und ausgespielt werden. Tigerbooks arbeitet mit Kinderbuchverlagen und Lizenzgebern. Das Buch „Pin Kaiser und Fip Husar“, in dem ein Pinguin und ein Affe gemeinsam eine spannende Reise unternehmen, ist wie die anderen Tigerbooks SuperBücher auch ohne App nutzbar.

Zur Risikoeinschätzung

+ Die Inhalte, die sich über die App abrufen lassen, sind alle kindgerecht.

Auf der Startseite wird das Abo für den Premiumzugang beworben, ohne dass eine ausreichende, konsequente Trennung von Eltern- und Kinderbereich gewährleistet ist. Eltern können zwar eine PIN vergeben, dazu ist allerdings eine Registrierung mit einer E-Mailadresse notwendig. Ohne PIN-Aktivierung gelangen Kinder schnell in den Store. Auch wenn die Zusatzinformationen geladen und geöffnet sind, gelangen Kinder schnell wieder ohne Sicherung auf die Startseite der Tigerbooks-App zurück. Deshalb sollten Eltern ihr Kind bei der Nutzung der App immer begleiten.

Ebenfalls kritisch ist das Datensendeverhalten der Android-App: Sie nimmt Kontakt zu den Werbe- bzw. Marktanalyseunternehmen localytics.com, google-analytics.com, amazonaws.com und adjust.com und übermittelt allgemeine Geräteinformationen z.B. zum Gerätetyp. Achtung: An ajust.com sendet die App die gehashte MAC-Adresse, über die sich das Gerät eindeutig identifizieren lässt.

Datensicherheit beachten

Mit Kauf der Spielzeuge bzw. der Installation der Apps akzeptieren Eltern die Datenschutzerklärung. Damit erteilen sie oft unwissend die Einwilligung, dass die Kinderdaten für Analysezwecke verwendet oder weitergegeben werden können.

Tipp: Lesen Sie bereits vor dem Kauf des Spielzeugs die Datenschutzerklärung. Wenn sie unvollständig oder nicht auf Deutsch ist oder die App zu viele Berechtigungen einfordert, sehen Sie von einem Kauf bzw. der Installation besser ab.

Warum?

Das Speichern von Kinderdaten ist grundsätzlich bedenklich. Die Apps verlangen Berechtigungen, z.B. Geräte-ID, Standort oder Zugriff auf Video- und Sprachaufnahmen. Oft ist nicht transparent, wofür die Daten abgefragt, gespeichert und verwendet werden.

Entwickler und Anbieter von digitalem Spielzeug speichern Kinderdaten teilweise zur Personalisierung oder für künftige Features. Auch sind die Daten unzureichend gesichert. Bei VTech, Hersteller vernetzter Spielzeuge und Lerncomputer, wurden Ende 2015 mehr als 500.000 Kinderprofile mit Namen, Geburtstagen und Anschriften gehackt. Diese Daten könnten missbräuchlich genutzt sowie Kinder identifiziert und lokalisiert werden.

Riskante Dienste abschalten

Internetfähiges Spielzeug wird oft über Apps gesteuert. Da sich in Apps häufig ungesicherte Links befinden, landen Kinder schnell im App Store oder im Internet auf für sie ungeeigneten Diensten.

Tipp: Laden Sie Apps immer selbst herunter und sichern Sie das Gerät. Schalten Sie die Internetverbindung aus, sofern nicht zwingend erforderlich. Deaktivieren Sie In-App-Käufe (iOS) oder versehen Sie sie mit einem Passwortschutz (Android). 

Warum?

YouTube, Facebook und Instagram sind für Kinder nicht erlaubt. Sie bergen Risiken, wie z.B. die Konfrontation mit ungeeigneten Inhalten, unerwünschte Kontaktaufnahme durch Fremde oder Cybermobbing. Oft sind außerdem Kinder- und Elternbereiche nicht getrennt. So könnten auch Kinder auf Shops und App-Stores zugreifen und Käufe tätigen.

Intimsphäre schützen

Kuscheltiere und Puppen sind Freunde, denen Kinder auch Intimes anvertrauen können. Die Kommunikation mit künstlicher Intelligenz ist fehleranfällig und eine Manipulation der Software nicht ausgeschlossen.

Tipp: Begleiten Sie Ihr Kind anfangs. Machen Sie sich selbst ein Bild über die Funktionsweise und schalten die Geräte und Funk- sowie Internetverbindungen aus, wenn Ihr Kind nicht aktiv damit spielt.

Warum?

Wird alles Gesprochene aus dem Kinderzimmer ins Internet übertragen, bestehen Risiken direkter Kontaktaufnahme. Medienberichten zufolge ist es einem Sicherheitsforscher Ende 2015 gelungen, die Puppe „Hello Barbie“ zu hacken. Er verschaffte sich Zugriff auf Accounts, Audiodateien und Mikrofone.

 

Die Risikoeinschätzungen wurden im Rahmen des Projekts „Monitoring und Bewertung von kindaffinen Apps hinsichtlich Jugend-, Daten- und Verbraucherschutzrisiken sowie Information der Verbraucher“ erarbeitet.

Downloads - Videos

  • Gutes Aufwachsen mit Medien

    Für Eltern: Broschüre mit Schwerpunkt „Digitales Kinderzimmer“

  • Smartphone und Tablet sicher in Kinderhand

    Flyer zum sicheren Umgang mit Apps und mobilen Geräten.

  • Falt-Laptop "Fit für's Netz!"

    Für Kinder: Internetthemen und -regeln einfach erklärt.

  • Film zum Thema Chatten

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  • Film zum Thema Surfen

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  • Film zum Thema Spielen

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