Expertinnen und Experten zur sicheren Internetnutzung

Prof. Dr. Friederike Siller

Schon für Kinder ab dem Babyalter gibt es einen umfangreichen Markt mit unterschiedlichen Apps für mobile Geräte: animierte Bilderbücher, interaktive Filme sowie Lern- und Spiele-Apps. Dr. Friederike Siller, Professorin an der FH Köln und Mutter von zwei Kindern beantwortet Elternfragen.

"Auf dem Tablet serviert" – Apps für Spaß und Lernen

Mutter, Töchter (3 und 7 Jahre): Es gibt so viele Schrottapps, die man kostenlos runterladen kann. Wie finde ich welche, die für die Kids gescheit sind?

Es ist ähnlich wie bei der Bewertung kindgeeigneter Fernsehsendungen, Hörspiele oder Internetseiten: Bei allen Angeboten gibt es große Qualitätsunterschiede. Für mich ist stets eine Frage zentral: Setzt die App zu den aktuellen Fragen und Themen meines Kindes irgendeinen neuen, bedeutsamen Impuls? Das lässt sich zwar im Vorfeld schwer beantworten. Doch ein Nachdenken darüber kann bei der Entscheidung für oder gegen eine App helfen.

Es gilt auch hier: Weniger ist mehr! Am besten probieren Eltern eine App selbst aus, ob sie für das eigene Kind in Frage kommt. Denn bei Apps verhält es sich ähnlich wie mit Spielsachen: Wenn zu wenig Neugierde und Faszination geweckt wurde, wird die App in die „digitale Ecke“ geschmissen.

 

Vater, Tochter (2,5 Jahre): Morgens zum Wickeln mal ein paar Minuten, abends der Sandmann, das ist so ein Ritual. Ist das schon der richtige Zeitpunkt für Apps oder zu früh?

Den richtigen Zeitpunkt muss jede Familie individuell wählen, ein Patentrezept gibt es nicht. Als Orientierung gilt aber, dass man Kinder erst an mobile Medien heranführen sollte, wenn sie sich tatsächlich dafür interessieren. Wird das mobile Gerät von den Eltern regelmäßig und sichtbar genutzt, will es das Kind früher oder später auch haben. Dann sollten Eltern in der Lage sein, ihren Kindern einen altersgerechten Einstieg zu bieten.

 

Mutter, Töchter (5 und 8 Jahre): Ich finde toll, dass man es immer nutzen kann. Man hat eine riesige Auswahl, also was man für sich interessant findet. Und inspirierend eigentlich auch, man kommt ja immer wieder auf neue Ideen.

In dem Zusammenhang ist wichtig: Wir gehen davon aus, dass ein möglichst aktiver Umgang mit Medien von Kindesbeinen an wichtig für den Erwerb von Medienkompetenz ist. Gerade mobile Medien bieten sich hier schon für kleine Kinder an. Beispielsweise können Kinder mit dem Smartphone Fotos von der im Sandkasten selbst gebauten Burg schießen und den Großeltern schicken oder die Fotos abends nochmals gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern betrachten.

 

Mutter: Sie können sich ja auch aktiv einbringen, je nachdem, was sie für eine App gerade  machen und haben dadurch vielleicht ein bisschen was gelernt. Oder sehe ich das falsch?

Zu erwarten, dass Apps den Kindern das Lesen, Schreiben oder Rechnen beibringen, ist sicherlich zu viel. Jedoch gibt es einige gute Apps, die Kinder spielerisch an den Umgang mit Zahlen und Buchstaben heranführen oder auch durch verschiedene alltags- oder naturwissenschaftliche Themen leiten. Apps sind auch gut für Kinder im Vorschulalter geeignet, die besonderen Interessen nachgehen möchten, um über den Horizont ihrer direkten Lebenswelt hinaus an Informationen zu gelangen oder einfach ihren eigenen Vorlieben und Fragen nachzugehen.

 

Vater: Wir sind immer wieder beeindruckt, wie sie ihre Apps selbst auf dem Display findet, sie kennt auch die Klickwege, also auch das Wischen über die verschiedenen Bildschirme, um dahin zu kommen. Wie können wir sie weiter unterstützen?

Wie bei jedem Medium ist es auch bei Smartphones und Tablets wichtig, Kinder nicht unbegleitet auf die Geräte loszulassen. Wenn wir derzeit staunend beobachten können, wie gut Kleinkinder mit Tablets navigieren, dann gibt uns das eine Ahnung davon, wie diese Kinder im Grundschulalter mit digitalen, mobilen Medien umgehen werden. Kinder benötigen ihre Eltern nicht so sehr auf der technischen Ebene bei den Geräten. Aber Eltern haben die schöne gleichwie verantwortliche Aufgabe, Kinder dabei zu begleiten, zu selbstständigen und verantwortlichen Mediennutzern zu werden – offline und online, zuhause und unterwegs. Auch Eltern, die mit mobilen Medien bisher nicht viel zu tun haben, ist zu raten, hier ins tiefe Wasser zu springen. Der Anfang ist leicht gemacht: Schauen Sie Ihrem Kind bei der Mediennutzung zu, spielen Sie mit und lassen Sie sich von Ihrem Kind erzählen, was es dabei erlebt hat.

Dr. Christine Feil

Dr. Christine Feil (Deutsches Jugendinstitut (DJI), München) erforscht die Internetnutzung von Kindern. Ihr aktuelles Projekt "Digitale Medien in der Lebenswelt von Klein- und Vorschulkindern" untersucht, wie junge Kinder mobile Geräte nutzen und wie Eltern sie begleiten.

Nutzung mobiler Geräte im Vor- und Grundschulalter

Seit den Teletubbies wurde der Mediennutzung von kleinen Kindern nicht mehr so viel Aufmerksamkeit gewidmet wie heute. Die Jüngsten sehen nicht mehr nur fern, sondern gehen auch ins Internet. Nahezu zeitgleich mit den Erwachsenen werden sie von den interaktiven Apps erreicht. Die berührungsempfindlichen Oberflächen von Smartphones und Tablets, die auf Wischen, Drücken und Schütteln reagieren, scheinen prädestiniert für Kinderhände zu sein. Deshalb versorgt der Medienmarkt Eltern mit einer Vielzahl an Apps zum Lernen und Spielen für Kinder.

Der Umgang mit Apps bedeutet nicht zwingend, online zu sein. Dies zeigen die Nutzerdaten: Laut Medienzusatzerhebung aus der DJI-Studie "AID:A II - Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten" (2014) nutzen 24 % der Einbis Achtjährigen das Internet, doch mit 31 % erheblich mehr von ihnen Apps. Der Zugang zu beiden Medien ist unabhängig vom Geschlecht, jedoch deutlich altersabhängig.

Von den Fünf- und Sechsjährigen hat bereits etwa jedes vierte Kind Erfahrung mit dem Internet und jedes dritte mit Apps. Etwa 60 % der Eltern der Vorschulkinder geben an, ihr Kind mindestens einmal wöchentlich dabei zu begleiten. Sprunghaft steigt die Zahl der Internetnutzer bei den Sieben- und Achtjährigen (43 % bzw. 62 %). Das zeigt die Bedeutung der Lesefähigkeit für die Internetnutzung. Dagegen steigt die Zahl der App-Nutzer weniger stark und liegt mit 44 % genauso hoch wie bei Erwachsenen.

Weder Bildung noch Einkommen der Eltern sind für den Internetzugang im frühen Kindesalter von Bedeutung. Nach wie vor nutzen fast alle Kinder für ihre Internetaufenthalte den Computer (92 %). Daneben gehen mehr als ein Drittel mit dem Tablet (37 %) und rund ein Fünftel mit dem Smartphone (22 %) online.

Auch wenn Kinder im Internet und am Tablet primär spielen wollen, werden digitale Medien von den Eltern meist mit Lernen verknüpft. Fürs Surfen im Netz brauchen Klein- und Vorschulkinder mangels Lese- und Tippfertigkeiten elterliche Hilfe. Aber davor dient das Internet als Fernsehersatz, um dem Kind unabhängig von der Sendezeit Episoden aus "Unser Sandmännchen", "Der blaue Elefant" oder "Die Sendung mit der Maus" zugänglich zu machen. Auf mobilen Geräten erlauben Eltern vorwiegend Edutainment-Apps wie animierte Bilderbücher und Lernspiele, die der Förderung der Spracherziehung, mathematischen Fähigkeiten, Merk- und Konzentrationsleistung dienen sollen. Auch wenn Touch-Geräte aufgrund ihrer Berührungssensitivität bereits den Jüngsten gute Erfahrungen von Selbstwirksamkeit vermitteln, kann sich das Lernpotenzial von Apps meist nur im Gespräch mit den Eltern entwickeln. So liegt wohl im sozialen und emotionalen Gemeinschaftserlebnis mit den Eltern das entscheidende pädagogische Plus digitaler Mediennutzung.

Die große Versuchung scheint allerdings in der ortsunabhängigen Verfügbarkeit der Geräte zu liegen, die zu langen Nutzungszeiten führen kann. Und nicht zuletzt könnten Tablets - wie früher die tragbaren Kassettenrekorder - den Weg ins Kinderzimmer finden. So sind Eltern zwar von der Geräuschkulisse der Tierstimmen-, Bilderbuch- und Spiele-Apps entlastet. Umso wichtiger ist es deswegen aber, dass Eltern die Zeit aufbringen, altersgerechte Angebote zu sichten und für ihr Kind auszuwählen. Denn nur so lassen sich Risiken wie In-App-Käufe, Zugänge zu social media, Werbe- und Konsumdruck für Kinder und Eltern vermeiden. Dabei sollten Eltern frei entscheiden, ab welchem Alter sie ihrem Kind digitale Medien erlauben wollen, und vor allem beachten, ob sich ihr Kind angesichts vieler alternativer Angebote überhaupt für jene interessiert.

Martin Schmidt

Bild: Bitkom e.V.

Ende 2007 startete fragFINN im Rahmen der Initiative „Ein Netz für Kinder“ des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Martin Schmidt ist Geschäftsführer von fragFINN und erklärt, wie Kinder am besten mit Suchmaschinen und neuen Medien umgehen.

Welche Vorteile haben Kindersuchmaschinen?

Kindersuchmaschinen bringen Kinder schnell und direkt auf sichere und geprüfte Seiten. Bei fragFINN wurden alle 12.000 Seiten, die in der Suchmaschine enthalten sind, vorher gründlich von Medienpädagogen überprüft. Daher eignen sie sich ganz besonders gut als Startrampen für Kinder ins Internet.

Die Suche von fragFINN.de ist außerdem besonders kindgerecht: Alle Kinderinternetseiten, die sich auf der fragFINN-Whitelist befinden, werden in den Suchergebnissen als Erstes ausgespielt. Daher werden sie so viel leichter aufgefunden als zum Beispiel mit Erwachsenensuchmaschinen.

Daneben finden Kinder noch eine Vielzahl weiterer von Hand geprüfter, kindgeeigneter Internetangebote, die für sie (und oft auch für Erwachsene) interessant sind. Kindern gefällt, dass sie schnell zu guten Angeboten kommen und die Informationen erhalten, nach denen sie gesucht haben.

So eignet sich „fragFINN“ in der Schule oder bei den Hausaufgaben zur Recherche von Informationen für alle Schulfächer genauso wie in der Freizeit, wo schnell sichere Chat-Räume, Spiele oder Internetseiten zu Hobbys oder Stars gefunden werden können.

Wie sollten Kinder mit den Suchergebnissen umgehen?

Grundsätzlich sind die Suchergebnisse, die weit oben ausgespielt werden, auch die besonders relevanten. Doch es gilt: Das erste Suchergebnis muss nicht immer auch das beste sein. Kinder sollten daher immer genau die Kurztexte über die einzelnen Internetangebote lesen, bevor sie eine Seite auswählen. Außerdem empfehlen wir, sich stets mehrere Internetseiten anzuschauen und die Informationen miteinander zu vergleichen. Weil man das erst lernen muss, haben wir extra eine Rubrik für Kinder, den „problemLÖSER“, dort finden sie Tipps für den Umgang mit Suchmaschinen, ein Video ist auch dabei.

Können Kinder auch schon mit Smartphones und Tablets ins Internet gehen?

Kinder surfen mittlerweile immer häufiger auch mit den Smartphones ihrer Eltern oder Familientablets im Internet. Auch hier ist eine sichere Startrampe enorm wichtig. fragFINN hat daher einen kostenlosen Browser für Android und iOS entwickelt, mit dem Kinder auch mobil sicher surfen und die Kindersuchmaschine nutzen können. Eltern sollten das Surfen auf den Geräten bestmöglich begleiten und sich auch informieren, welche Schutzeinstellung sie zusätzlich direkt am Gerät vornehmen können.

Stefan Müller

Die „Blinde Kuh“ wurde 1997 als private Initiative gegründet. Seit August 2004 trägt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Gesamtförderung der Kindersuchmaschine. Stefan Müller erklärt, wie die Suchmaschine "Blinde Kuh" funktioniert und wie Kinder am besten mit ihr umgehen.

Kindersuchmaschine „Blinde Kuh“

Wie arbeitet eine Kindersuchmaschine?

Die „Blinde Kuh“ arbeitet derzeit mit einer Schlagwortsuche in ca. 30.000 Websites. Darin sind nicht nur reine Kinderseiten enthalten, sondern auch Erwachsenenseiten, die thematisch für Kinder interessant sind. Das ist ein extrem hoher Arbeitsaufwand, weil inhaltsstarke Websites teilweise komplett – Seite für Seite – von Hand geprüft und aufgenommen werden müssen.

Unsere Datenbank wird darüber hinaus täglich daraufhin überprüft, ob die Seiten noch da sind oder sich verändert haben. Sie werden täglich ergänzt um das, was Kinder interessiert, wie etwa die Homepages von Stars oder Fußballvereinen. Das ist eine fortwährende Entwicklung.

Außerdem bieten wir den Kindern ein umfangreiches Link-Verzeichnis an. Darauf greift etwa ein Drittel aller Suchanfragen zu.

Die „Blinde Kuh“ gibt es seit 1997. Wie bleibt sie aktuell?

Wichtig ist: Der Kunde ist das Kind! Das dürfen wir nie vergessen. Eine Kindersuchmaschine muss mit den Kindern und dem Zeitgeist mitwachsen. Auch optisch muss sich die Seite den „neuen“ Kindern anpassen. Nicht die Menge der Treffer ist entscheidend, sondern ob die besten und kindgerechten Treffer ganz oben erscheinen. Diese Treffer sollten frei von Werbung und kommerziellen Links sein. Ob das funktioniert, kann man durch Testeingaben herausfinden.

Wie können Kinder suchen lernen?

Kinder sollten gezielt und themenorientiert suchen. Also nicht einfach „Tiere“ eingeben, sondern sie müssen sich überlegen, was konkret sie daran interessiert. Dann werden sie leichter fündig. Wir haben einen kleinen „Suchkurs“ erstellt. Damit lernen Kinder, was sie bei ihrer nächsten Suche anders machen müssen. Und wir sehen, in welchen Punkten wir unsere Suchmaschine weiterentwickeln müssen.

Downloads - Videos

  • Gutes Aufwachsen mit Medien

    Für Eltern: Broschüre "Gutes Aufwachsen mit Medien - Ein Netz für Kinder"

  • Flyer „Smartphone und Tablet sicher in Kinderhand“

    Tipps zum sicheren Umgang mit Apps und mobilen Geräten.

  • Falt-Laptop "Fit für's Netz!"

    Für Kinder: Internetthemen und -regeln einfach erklärt.

  • Film zum Thema Chatten

    Film zum Thema Chatten

  • Film zum Thema Surfen

    Film zum Thema Surfen

  • Film zum Thema Spielen

    Film zum Thema Spielen

Quiz
Filmlink
Loading the player...